Wenn die Schweiz 10'000 Einwohner hätte

Wie viele Menschen würden in einem Jahr wegen Gewalt, eines Sexualdelikts oder Diebstahls polizeilich beschuldigt? Und aus welchen Bevölkerungsgruppen kämen sie?

Kriminalstatistiken sprechen in grossen Zahlen: 92’147 Personen hat die Polizei 2025 wegen einer Straftat nach dem Strafgesetzbuch registriert.1 Solche Zahlen sind schwer greifbar, und in der Debatte über Herkunft und Kriminalität werden sie oft als Anteile genannt, ohne dass klar wird, wie gross die Gruppen überhaupt sind.

Deshalb verkleinern wir die Schweiz hier auf 10’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Jede Figur steht für rund 913 reale Menschen. Die Zusammensetzung nach Staatsangehörigkeit, Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Alter entspricht der tatsächlichen Wohnbevölkerung Ende 2025.2

Die Zahlen im Überblick

Im Modell mit 10’000 Einwohnern ergeben sich pro Jahr diese Beschuldigten. Weil sich in einem so kleinen Modell nur ganze Personen darstellen lassen, steht in Klammern jeweils der exakte Erwartungswert.1

Gruppe Personen Gewalt Sexual Vermögen
Schweizer 3’519 8 (8.3) 3 (3.4) 13 (12.8)
Schweizerinnen 3’712 3 (2.7) 0 (0.2) 5 (4.8)
Ausländer 1’381 7 (7.1) 2 (1.9) 10 (10.3)
Ausländerinnen 1’243 2 (2.2) 0 (0.2) 4 (3.5)
Asylanten 75 1 (1.2) 0 (0.4) 3 (3.3)
Asylantinnen 70 0 (0.2) 0 (0.0) 0 (0.5)
Ohne Wohnsitz – (2.1) (0.9) (13.9)

Gewalt entspricht dem StGB-Titel «Leib und Leben» (inkl. Tätlichkeiten), Sexualdelikte dem Titel «Sexuelle Integrität», Vermögensdelikte dem Titel «Vermögen». Personen ohne Wohnsitz sind keine Einwohner und deshalb nicht im Raster.

Was die Grafik zeigt und was nicht

In absoluten Zahlen stellen Schweizer Männer die grösste Gruppe der Beschuldigten, schlicht weil sie die grösste Bevölkerungsgruppe sind. Pro Kopf sind die Anteile bei ansässigen ausländischen Männern etwa doppelt so hoch, in der Asylbevölkerung deutlich höher. Frauen werden in allen Gruppen viel seltener beschuldigt als Männer; bei Sexualdelikten fast nie.

Ein Teil dieser Unterschiede hängt mit dem Alter zusammen: Die ansässige ausländische Bevölkerung und vor allem die Asylbevölkerung sind jünger als die Schweizer Bevölkerung, und junge Männer werden in allen Gruppen am häufigsten beschuldigt. Die Grafik bildet die tatsächliche Bevölkerung ab und ist deshalb bewusst nicht altersbereinigt.

Wichtig ist auch, was «beschuldigt» bedeutet. Gezählt wird, wer in einer Anzeige oder polizeilichen Ermittlung einer Straftat verdächtigt wird, unabhängig davon, ob später eine Verurteilung folgt. Delikte, die nie angezeigt werden, fehlen. Und eine Person kann in mehreren Kategorien beschuldigt sein; im Raster erscheint sie nur einmal.

Für die Asylbevölkerung kommt ein statistischer Effekt hinzu: Die Bevölkerungszahl ist ein Stichtagswert per Ende Jahr, die Beschuldigten werden aber über das ganze Jahr gezählt. Wer im Laufe des Jahres einreiste, beschuldigt wurde und wieder ausreiste, fehlt im Bevölkerungsbestand. Die Anteile dieser Gruppe sind deshalb eher überschätzt.

Methode

Beschuldigte Personen 2025 nach Aufenthaltsstatus, Geschlecht und Altersklasse gemäss Polizeilicher Kriminalstatistik.1 Bevölkerung per 31.12.2025 gemäss STATPOP, Asylbevölkerung inklusive nichtständiger Wohnbevölkerung (Ausweise N, F, S).2 Ansässige Ausländer: Ausweise B, C, Ci und EDA. Skaliert auf 10’000 Einwohner mit Rundung nach der Methode der grössten Reste.

Referenzen

Über mich

M.Sc. ETH in Informatik
Software Engineer @ ajila

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